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Andritz erwartet nach Gewinnplus höhere Rentabilität im Gesamtjahr / Neuaufträge legten stark zu - Bereich Metals profitiert von Investitionslust der Stahlkocher durch hohe Stahlpreise, Hydro hofft auf Wasserkraftprojekte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff

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Neu: Mit Details aus der Pressekonferenz
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Der steirische Technologiekonzern Andritz hat im ersten Halbjahr seine Ergebnisse trotz eines leichten Umsatzrückgangs deutlich gesteigert und rechnet auch für das Gesamtjahr mit einer ähnlichen Entwicklung sowie einer Verbesserung der Rentabilität. Andritz sei solide finanziert und habe genug Geld auch für F&E und die eine oder andere attraktive Akquisition, sagte am Freitag CEO Wolfgang Andritz, der kommendes Frühjahr als Konzernchef abtritt.

Im Frühjahr 2022 wird Leitner (68) nach 34 Jahren im Vorstand, davon 27 Jahre als Vorstandschef seine CEO-Tätigkeit mit Ablauf der für 12. April geplanten Hauptversammlung beenden und in den Aufsichtsrat wechseln - als einfaches Mitglied, nicht als AR-Chef, denn das könne und wolle er auch nicht, sagte er im Online-Halbjahrespressegespräch.

Rückblickend berichtete Leitner von einem sehr guten ersten Halbjahr und zweiten Quartal. Auch das Servicegeschäft bei den Kunden, das voriges Jahr durch die Corona-Einschränkungen beeinträchtigt gewesen sei, habe sich sehr gut entwickelt. Operativ und bei der Rentabilität stehe man mithilfe der Kapazitätsanpassungen von 2020 besser da.

Von Jänner bis Juni wuchs das operative EBITA um 36,4 Prozent auf 237,7 Mio. Euro, der Nettogewinn legte um 61,0 Prozent auf 136,7 Mio. Euro zu. Der Umsatz sank um 4,6 Prozent auf 3,027 Mrd. Euro, stark bedingt durch Erlösrückgänge von 8,2 Prozent auf 1,465 Mrd. Euro im Bereich Pulp & Paper Capital, der voriges Jahr noch größere Aufträge abzuarbeiten hatte. Erlösrückgänge gab es auch bei Metals, während Hydro und Separation zulegten.

Die Auftragseingänge von Andritz schnellten von Jänner bis Juni um 18,3 Prozent auf 3,592 Mrd. Euro in die Höhe. Dabei war der Zuwachs der neuen Order im zweiten Quartal mit +57,3 Prozent (auf 1,184 Mrd.) ungleich kräftiger - gegenüber einem sehr niedrigen Vorjahresniveau. Die Tiefpunkte vom vierten und zweiten Quartal 2020 habe man damit deutlich überwunden, der rollierende 12-Monats-Schnitt steige an, so Leitner. Per 30.6. war der Auftragsstand mit 7,404 Mrd. um 9,3 Prozent höher als Ende 2020 - ein "guter Arbeitsvorrat für die kommenden Monate".

Besonders viele Neuaufträge kamen im Halbjahr im Metals Processing herein, speziell im Zweitquartal, gefolgt vom Segment Hydro. Grund für den starken Orderanstieg in Metals seien die hohen Stahlpreise, die die internationalen Stahlhersteller kräftig investieren ließen. Auch der Bereich Metals Forming (Schuler) habe im zweiten Quartal einen starken Anstieg verzeichnet. Im Hydro-Bereich hofft Andritz laut Leitner darauf, dass man von der Zunahme der Projekte für Wasserkraftwerke profitieren kann, die für die Produktion von grünem Wasserstoff benötigt würden.

Fürs Gesamtjahr geht der Konzern von einem deutlichen Anstieg des berichteten EBITA aus und rechnet mit einer EBITA-Rentabilität von rund 8 Prozent (nach 5,8 Prozent Marge 2020). Heuer lag die EBITA-Marge im Halbjahr mit 7,9 Prozent spürbar über Vorjahr (5,5 Prozent), dabei im zweiten Quartal bei 8,3 nach 6,3 Prozent. Aus heutiger Sicht seien keine größeren Restrukturierungsmaßnahmen geplant, abhängig von der Entwicklung der Weltwirtschaft, sagte Leitner. Der Umsatz werde leicht unter 2020 liegen, damals betrug er rund 6,7 Mrd. Euro.

Den Finanzstatus des börsennotierten Konzerns bezeichnete Leitner als "solide" und verwies auf eine Bruttoliquidität von rund 1,7 Mrd. Euro - "mehr als ausreichend" - sowie eine Netto-Cash-Position von knapp 400 Mio. Euro. Man sei solide finanziert und verfüge über ausreichend Aval- und Kreditlinien. Man habe genug Liquidität für die eine oder andere Akquisition, falls sie preiswert sei und eine Wertsteigerung verspreche. Es sei also "alles im grünen Bereich".

Von den zuletzt knapp über 26.700 Mitarbeitern im Konzern mit über 280 Standorten in mehr als 40 Ländern war ein Achtel oder 3.300 in Österreich beschäftigt. Dabei zählte der Standort Graz 1.154 Leute, Wien 584, Linz 178, Weiz 606, Raaba-Grambach 284, Gloggnitz 479 und St. Pölten 17. Von den weltweit 590 Lehrlingen entfielen 120 auf Österreich. Knapp 5.300 Beschäftigte des Konzerns sind in Deutschland tätig, davon 2.700 bei der Tochter Schuler.

Der Abgang von der Konzernspitze sei für ihn, Leitner, "die letzte Ausfahrt bevor ich 70 werde", er bleibe damit ohnedies länger als ursprünglich geplant. Bei Andritz werde er weiterhin "ein nicht ganz kleiner Aktionär bleiben".

Den Platz frei machen im Kontrollgremium wird wohl der Gesellschaftsrechtler Christian Nowotny (71), der dem Andritz-AR bereits seit Frühjahr 2000 angehört, seit Sommer 2014 als dessen Vorsitzender. Es muss bei der AR-Konstituierung nach der HV im April 2022 also auch die Aufsichtsratsspitze neu festgelegt werden.

Für die Zukunft sei eine gute Vorstandsbesetzung gefunden, so Leitner. Als Konzernchef nachfolgen wird ihm Joachim Schönbeck (57), der seit 2014 dem Andritz-Vorstand angehört. Auch als neuer CEO soll Schönbeck den Bereich Pulp & Paper Capital Systems weiter leiten. Neu in den Vorstand zieht im April 2022 Domenico lacovelli (demnächst 45) ein, der seit 2011 in der Andritz-Gruppe Führungsaufgaben erfüllt und seit April 2018 Chef von Schuler ist. Iacovelli soll den Bereich Metals verantworten, aber auch weiter Chef der Schuler AG bleiben. Iacovelli habe Schuler sehr weitgehend und sehr tiefgehend restrukturiert, dieser Prozess sei fast abgeschlossen, sagte Leitner.

sp/stf

 ISIN  AT0000730007
 WEB   http://www.andritz.com

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