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Grasser-Prozess - Anwalt: Politische Profiteure nicht vor Gericht / Verteidiger: Menschlich sehr enttäuschend, dass sich Politiker nicht erinnern können, wie sie von der Telekom Austria profitiert haben - Ruf nach Freisprüchen für Petrikovics und Thornton

Rechtsanwalt Otto Dietrich hat heute in seinem Schlussplädoyer für den angeklagten Ex-Telekom Austria-Manager Rudolf Fischer um ein mildes Urteil gebeten. Gleichzeitig hinterfragte er, warum zwar Fischer vor Gericht steht, durchaus prominente Politiker von ÖVP und SPÖ, die von der "politischen Landschaftspflege" der Telekom profitierten, aber nicht. Bei ihnen wurden sämtliche Verfahren eingestellt.

Es sei zumindest "menschlich sehr enttäuschend", dass sich diese Politiker nicht mehr erinnern wollten, dass die Zahlungen durch die teilstaatliche Telekom an politische Amtsträger, die Partei und das Umfeld durchaus Sinn machten - für die Interessen der Telekom. Fischer habe jedenfalls Verantwortung übernommen und durch sein Geständnis zur Aufklärung der Causa beigetragen, betonte Anwalt Dietrich im Wiener Straflandesgericht. Fischer habe sich bezüglich einiger Zahlungen schuldig bekannt, die nicht im Sinne des Unternehmens gewesen seien. Bei anderen Zahlungen mit Telekom-Geld sei jedoch das Interesse der teilstaatlichen Telekom immer im Vordergrund gestanden - unter dem Stichwort "politische Landschaftspflege". Fischer habe einen Vergleich mit der Telekom geschlossen und den Schaden gutgemacht.

Dietrich vertritt auch den mitangeklagten Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics, für den er gleich anschließend einen Freispruch forderte. Der Manager, der bereits wegen einer anderen Causa in Haft saß, habe ausschließlich im Interesse des Unternehmens gehandelt, so der Anwalt. Petrikovics habe niemanden bestochen, sondern er habe einen Beratungsvertrag mit Peter Hochegger geschlossen - mit Erfolgshonorar. Da der Erfolg - der Erwerb der Bundeswohnungen - eingetreten sei, habe er das Erfolgshonorar bezahlt. Aber auch die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) als Konsortialführer im Österreich-Konsortium für den Erwerb der Bundeswohnungen sei mit im Boot gewesen, ihr Anteil am Hochegger-Honorar sei beim Verkauf der Villacher Eisenbahnwohnungen ESG einberechnet worden.

Schließlich ergriff noch der Verteidiger von Christian Thornton das Wort. Anwalt Lukas Kollmann unterstrich, sein Mandant habe immer nur auf Weisung von Petrikovics gehandelt, als er in Tranchen das Buwog-Honorar an Hochegger ausbezahlte. Thornton habe nicht einmal die Gesamtsumme der Provision gekannt, daher habe er auch 300.000 Euro zu viel ausbezahlt. Von einer allfälligen Bestechung bei der Buwog-Privatisierung habe Thornton gar nichts gewusst.

stf/gru/cri

 ISIN  AT00BUWOG001  AT0000A21KS2
 WEB   http://www.buwog.at
       http://www.immofinanz.com
       http://www.rlbooe.at

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