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Marihart: Aufs und Abs für Agrana "in vollem Coronaquartal" / Agrana-Chef: Ausbrüche über ganzen Globus verfolgt - Relativ gute Lage, weil 75 Prozent des Umsatzes aus Nahrungsmittelindustrie stammen - Gewinnen Marktanteile in schrumpfenden Märkten

Der börsennotierte Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana hat "ein volles Coronaquartal" hinter sich. "In Summe ist es gut gelaufen, auch wenn das Geschäft segmentweise differenziert zu sehen ist; es gab Aufs und Abs", sagt der Chef des Global Players, Johann Marihart, über das erste Quartal 2020/21. Sowohl Umsatz als auch Gewinn sind im Vergleich zur Vorjahresperiode leicht gestiegen.

"So ein Quartal habe ich natürlich noch nicht erlebt", sagte der erfahrenste aller ATX-Manager Marihart im APA-Gespräch auf die Frage, ob er ähnliche Verwerfungen schon einmal durchgemacht hat. "Wir haben die Coronaausbrüche über den ganzen Globus verfolgt - begonnen im Februar in China sind sie letztlich überall angekommen."

Die Produktion sei aber - bis auf die Phase der staatlich verlängerten Neujahrsferien in China - überall aufrechterhalten worden; auch in Südkorea, das relativ stark betroffen war. Dort hätten überhaupt behördliche Kontrollen bei den Werkseingängen stattgefunden. "Es war nicht notwendig, die Produktion einzuschränken."

Und: "Grundsätzlich ist die Agrana doch zu 75 Prozent nahrungsmittelindustrie-getrieben im Umsatz", strich Marihart am Donnerstag hervor. So sei man "in einer relativ guten Lage" und auch ohne Kurzarbeit durch die tiefste Coronakrise gekommen. Freilich müsse ein zweiter Lockdown unbedingt verhindert werden.

Die Agrana profitierte auch von der Coronakrise. "Insbesondere während des Lockdowns sind wir Sonderschichten gefahren, es gab etwa Hamsterkäufe bei Zucker." Und mit ihrem Zucker ist die Agrana dem Austro-"Normalverbraucher" auch am geläufigsten - mit der Marke "Wiener Zucker". Aber auch im Stärkebereich gab es Sonderschichten - vor allem rund um die Abfüllung von Kartoffelflocken für Fertigpürees, aber auch bei Babynahrung. Alle drei Produkte gehörten zu jenen Dingen, die viele Menschen zum Krisenhöhepunkt gehamstert haben.

Inzwischen merke man aber auch im Zuckersegment, dass im Absatz der gastronomische und Tourismusbereich samt seinen Events fehle, so Marihart. "Es gibt weniger Bedarf, das merken wir auch an der Getränkeindustrie."

In Südamerika wiederum, da ist der Coronaausbruch mehr eine negative Draufgabe auf ohnehin schon äußerst schwierige wirtschaftliche Bedingungen. Dort betreibt der heimische Konzern in Brasilien und Argentinien zwei von insgesamt 42 Werken des Fruchtsegments. "Dort gibt es weniger coronabedingte als ökonomisch bedingte Probleme. Corona kommt jetzt noch drauf", sagte Marihart. Die Lage sei wegen der wirtschaftlichen Situation der Bürger "verhalten". Dazu kämen die extrem hohen Inflationsraten. Verluste gäbe es aber nicht und es handle sich um große Wachstumsmärkte.

Und zu Hause? Da wird im August eine Betainanlage in Betrieb genommen. Gemeinsam mit einem US-Partner wurden dafür 40 Mio. Euro in Tulln in Niederösterreich investiert. Das Produkt kommt in Futtermittel, bietet sich aber auch für die Verwendung im Kosmetikbereich an, so Marihart.

Herausfordernd war es laut Marihart, den Verwaltungsbereich des Unternehmens ins Home-Office zu bringen, "während die anderen sieben Tage die Woche 24 Stunden produzieren mussten". Gleichzeitig wurde immer eine Schicht in Reserve gehalten, um eine andere zu ersetzen, wenn es zu einem Coronaausbruch gekommen wäre. "Das haben wir Gott sei Dank nicht gebraucht." In Österreich sei auch aktuell alles im grünen Bereich. Es gebe momentan aber in einigen "kritischen Regionen", wie etwa in Ägypten, einige Erkrankte. Das sei auch in der Ukraine und in Russland der Fall.

Einen Ausblick fürs gesamte laufende Geschäftsjahr 2020/2021 gab es von der Agrana am Donnerstag bedingt durch die Coronakrise nicht. "Ein Ausblick ist sehr schwierig", sagte Marihart. Freilich sei davon auszugehen, dass man "davon nicht unbetroffen bleibt, wenn es ein tatsächliches Minus von etwa zehn Prozent im BIP gibt - statt eines Wachstums von an die zwei Prozent wird ja ein Minus von bis zu acht Prozent prophezeit". Das Nahrungsmittelgeschäft werde aber wohl weniger betroffen sein.

Ein Wachstum sei in schrumpfenden Märkten schwierig. "Umgekehrt gewinnen wir aber Marktanteile, auch im Fruchtzubereitungsbereich, obwohl in den westlichen Industrieländern der Konsum von Fruchtjoghurts eher stagniert", so der Konzernchef. Auch im Stärkebereich würden die neuen Kapazitäten der Weizenstärkeanlage in Pischelsdorf in Niederösterreich in den Markt gebracht werden.

(Das Gespräch führte Philip Stotter/APA)

phs/cri

 ISIN  AT000AGRANA3
 WEB   http://www.agrana.com

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